20.09.2009 - 22:42 von Thomas Hainzel
Vergangene Woche besuchte ich einen Workshop des E-Learning-Zentrums der Technischen Universität Wien zum Thema “TUWEL Neuigkeiten und Altbewährtes für das WS 2009” (Anmerkung: TUWEL ist die Bezeichnung des E-Learning-Systems der Technischen Universität Wien, basierend auf dem Open Source System Moodle). Im Rahmen dieser Veranstaltung wurden einige Moodle-Neuheiten (Version 1.9.5) demonstriert, aber auch zwei selbstentwickelte Erweiterungen vorgestellt:
- Anbindung an externe Server
- Offline-Quiz
Anbindung an externe Server
In informatiklastigen Studienrichtigungen müssen jedes Semester mehrere tausend Programmieraufgaben unterschiedlichster Lehrveranstaltungen von Studierenden gelöst und von den Lehrenden korrigiert bzw. bewertet werden. Diesen doch erheblichen Aufwand versuchen einige Institute durch automatisierte Abgabesysteme zu reduzieren.
Beispielsweise bekommt der Student ein vorgefertigtes Codegerüst, in welches er konkrete Algorithmen oder Programmabschnitte implementieren muss. Sobald dies geschehen ist, wird der Quellcode auf einen der zahlreichen Instistutsserver geladen und dort vollautomatisch auf Korrektheit überprüft. Dazu werden für den Studenten sichbare bzw. unsichtbare Testdaten und Skripts verwendet. Ergebnis dieser Online-Validierung ist ein E-Mail oder eine dynamische Webseite, welche den Studenten über das Ergebnis der automatischen Überprüfung informiert und ggf. Fehler- oder Systemmeldungen ausgibt.
Problematisch ist hier vor allem die doppelte Administration der Studierenden. Einerseits gibt es das oben genannte Online-Validierungssystem des Instituts, welches jedes Semester Accounts für die Lehrveranstaltungsteilnehmer bereitstellt. Andererseits werden viele dieser Lehrveranstaltungen durch einen E-Learning-Kurs begleitet, in dem Vorlesungsfolien, Übungsangaben und weitere Online-Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.
Das E-Learning-Zentrum hat sich nun diesem Problem angenommen und für das Wintersemester 2009/10 einen neuen Moodle-Aufgabentyp “Externer Server” entwickelt. Der Studierende kann seine Programmieraufgabe also ab sofort direkt in Moodle abgeben. Das System reicht die Datei gemeinsam mit verschiedenen Konfigurationsparametern wie beispielsweise der Kurs-ID, der Matrikelnummer oder dem Dateinamen an den externen Server weiter. Weitere Optionen wie Mehrfaches Einreichen/Maximale Anzahl an Uploads, maximale Dateigröße und vorgegebene Dateinamen runden die Moodle-Konfiguration ab.
Sobald der externe Server die Datei erhalten hat, kann er mit der Online-Validierung (z.B. automatische Überprüfung eines Algorithmus) beginnen und nach Abschluss das Ergebnis (z.B. in Form einer HTML-Seite) zurückgeben. Dieses wird direkt im E-Learning-System angezeigt und kann vom Studierenden eingesehen werden.
E-Learning-System und externer Server sind also weiterhin technisch getrennte Systeme, besitzen aber eine sinnvolle Schnittstellen-Anbindung zueinander, die dem Studierenden das Abgeben und Kontrollieren seiner Aufgaben in einem einzigen System – nämlich dem E-Learning-System – erleichtern und die Doppelgleisigkeit der Administration aufheben.
Offline-Quiz
Ein weiteres Zusatzmodul wurde für Fans von Multiple-Choice-Prüfungen präsentiert. Ein Moodle-Plugin ermöglicht ab dem kommenden Wintersemester die Erstellung von Offline-Multiple-Choice-Prüfungen für Präsenzveranstaltungen aus bestehenden Online-Tests. Die bisher bekannten Funktionen zum Vermischen der Fragen/Antworten bzw. zur Auswahl einer bestimmten Anzahl an Fragen aus einem Fragenpool bleiben dabei vollständig erhalten.
Das Besondere an dieser Erweiterung ist jedoch nicht die Erstellung, sondern die Auswertung der Multiple-Choice-Prüfungen. Diese erfolgt nämlich ebenfalls online und wird durch ein OCR-Erkennungssystem realisiert.
Ein Anwendungsbeispiel:
Ein Vortragender erstellt ein Moodle-Online-Quiz und lässt sich daraus mehrere Gruppen eines Offline-Multiple-Choice-Tests erstellen. Zu jeder Gruppe wird zusätzlich ein Antwortblatt mit den jeweils richtigen Antworten generiert. Mit einem Stoß Papier geht er nun in den Hörsaal und wickelt die Prüfung/den Test wie gewohnt “mit Papier und Bleistift” ab.
Die ausgefüllten Antwortbögen werden nun vom Kopierer gescannt und als TIFF-Datei auf den E-Learning-Server geladen. Dieser erkennt anhand bestimmter Ausrichtungsparameter, der angekreuzten Matrikelnummer sowie der gekreuzten Fragen sowohl den Studierenden als auch seine Antworten und bewertet diese (in Form einer Offline-Aktivität von Moodle).
Der Vortragende kann nun die Ergebnisse veröffentlichen und jeder Studierende sieht neben der erreichten Punktezahl auch seinen gescannten Prüfungsbogen sowie die Ergebnisse der digitalen OCR-Erkennung. Etwaige Fehler des Systems können vom Studierenden reklamiert und vom Lehrveranstaltungsleiter per Mausklick korrigiert werden.
Dem langwierigen Korrigieren von Multiple-Choice-Prüfungen wurde somit ein Ende bereitet. Dieses Bewertungsverfahren ist zwar nicht vollkommen neu (beispielsweise verwendet die Wirtschaftsuniversität Wien seit geraumer Zeit ein solches System), allerdings empfinde ich die Integration der Bewertungsergebnisse in Moodle als einen wichtigen Fortschritt.
Beide Erweiterungen des E-Learning-Angebots ermöglichen somit eine automatisierte bzw. teilautomatisierte Bewertung und leisten aus meiner Sicht einen wichtigen Beitrag zur Konsolidierung unterschiedlicher Server- und Bewertungssysteme zu einer gemeinsamen Komponente – dem E-Learning-System.
Die Anbindung externer Server und die neue Offline-Aktivität waren die Highlights des letzten E-Learning-Impulses. Eine offizielle Nachlese dieser und anderer Themen des E-Learning-Impulses gibt es hier.
Tags: E-Learning & Web 2.0, Moodle, Technische Universität Wien, Tools
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